Klassisch - Neoklassisch - Modern

Der diesjährige Dance World Cup mit seinen neuen Regeln hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen, und immer wieder erhalten ich Nachrichten von Lehrern und Schulleitern, denen die Klasseneinteilungen nicht klar sind. Ich will hier versuchen, einige Punkte zu erläutern.

Modern und Contemporary
Das ist ziemlich hoffnungslos. Beim Deutschen Ballettwettbewerb und seinen Regionalwettbewerben werden wir diese Unterteilung nicht mehr machen, weil kaum jemand wirklich weiß, was was sein soll. Wenn man sich die Videos von Sitges ansieht, erkennt man auch kaum Unterschiede.

"Ballet all styles"
Da mußten sehr viele schmunzeln, als sie das im Programmheft lasen. Aber wenn der DWC meint, das so schreiben zu müssen, sollen sie es tun. Wobei "all styles" nirgendwo auch nur annähernd definiert wurde.

Klassische und neoklassische Soli
Da wird es allerdings wirklich problematisch. Seit vielen Jahren ermutige ich immer wieder die Lehrer, insbesondere in den Kinderklassen keine Soli aus dem traditionellen, klassischen Repertoire mit den Schülern einzustudieren, sondern die Kinder Choreographien der Lehrer zeigen zu lassen, die speziell auf das Können und Alter eben dieses Kindes zugeschnitten sind. Aber es ist halt für den Lehrer erheblich weniger Arbeitsaufwand, einfach eine Choreographie aus dem traditionellen Repertoire bei youtube zu kopieren und das Kind tanzen zu lassen. Die Frage tauchte auf, wie lange ist es noch ein Tanz aus dem Repertoire, wenn der Lehrer alle schwierigen Passagen wegläßt und durch einfache Schrittchen ersetzt? Eine Antwort darauf gibt es nicht.

Seit 2018 gibt es beim DWC nun ab der Alterstufe Kinder Solo auf Spitze die Unterteilung in Repertoire und ..... - ja und hier geht es los. Die Klassen heißen z.B. KSPBN oder JSBN, und das "N" steht für "Neoklassisch" im Gegensatz zu Repertoire. Das paßt aber nicht!!! Ein Solo, das nicht Repertoire ist, ist nicht automatisch neoklassisch, nur weil der Choreograph im 21. Jahrhundert lebt. Ich kann als Lehrer meiner Schülerin ein ganz klassisches Solo zu klassischer Musik einstudieren, das aber eben meine Choreographie ist.
Auf mehrfache, diesbezügliche Nachfrage beim Hauptbüro in Jersey wurden diese Klassen dann in "klassisch und neoklassisch" umbenannt. Was man dann beim DWC in Sitges z.B. in der Klasse JSBN sah, war m.E. Chaos. Von 24 Tänzen hatten bei zweien die Mädchen Schläppchen an. Es ist mir schleierhaft, wie sich diese überhaupt qualifizieren konnten. Die Hälfte der Tänze waren zum Teil sehr schöne klassische Soli und phantasievolle Choreographien der Lehrer. Die andere Hälfte aber waren moderne Tänze. Nur weil ein Mädchen Spitzenschuhe an den Füßen hat, wird deren Solo noch lange nicht klassisch oder neoklassisch, wenn es lauter moderne Bewegungsabläufe beinhaltet.

Mein Vorschlag wäre, die Klasse JSBF einzuführen, nämlich Junioren Solo Ballett freier Tanz.

Die sog. neoklassischen Tänze können dann zu den modernen Soli gehen. Ein modernes Solo auf Spitze kann sehr schön und sehr anspruchsvoll ein.

Bei den großen Gruppen gab es auch erstmals die neuen Klassen "neoklassisches Ballett". Da waren teilweise sehr schöne Choreographien zu sehen. Diese Klasse könnte man m. E. so beibehalten.

Anfang September hat der DWC einige Teamleiter von einigen Ländern zu einem Treffen eingeladen, um sich deren Vorschläge und Meinungen anzuhören. Entscheidungen werden dort allerdings nicht fallen. Irgendwann hoffentlich noch im Laufe des Septembers werden wir dann die Änderungen und Neuerungen im Regelwerk des DWC vorgesetzt bekommen.

Das Foto zeigt Matilda Rodriguez aus Portugal, die in der Klasse JSBN gewonnen hat.

 

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.